Solar

Photovoltaik im spanischen Ferienhaus: die ehrliche Rechnung

Die Sonne auf Mallorca und Teneriffa liefert rund 1.600 bis 1.770 kWh je installiertem Kilowatt-Peak und Jahr — Spitzenwerte für Europa. Trotzdem rechnet sich eine Anlage in einem acht Monate leerstehenden Haus oft nicht. Der Grund liegt nicht in der Technik, sondern in der spanischen Abrechnungslogik. Hier steht, wann es funktioniert und wann nicht.

· Wie wir recherchieren

Was eine Anlage auf den Inseln produziert

Die folgenden Werte gelten für ein fest montiertes Kilowatt-Peak bei optimaler Neigung und 14 % Systemverlusten. Sie stammen aus einer Fachquelle, die die Klimareihen von PVGIS (Joint Research Centre der EU-Kommission, Zeitraum 2005–2023) auswertet — also eine Sekundärquelle, die PVGIS zitiert, keine amtliche Veröffentlichung. Vor einer Investition sollten die Werte für Ihre konkrete Adresse neu berechnet werden.

Spezifischer Ertrag nach PVGIS-Klimareihen
StandortJahresertrag je kWpOptimale NeigungBester MonatSchwächster Monat
Palma de Mallorca1.598 kWh36°Juli, 163 kWh/kWpDezember, 100 kWh/kWp
Santa Cruz de Tenerife1.768 kWh25°Juli, 179 kWh/kWpDezember, 114 kWh/kWp
Las Palmas de Gran Canariarund 1.614 kWh27°Mai, 149 kWh/kWpNov./Dez., 117 kWh/kWp

Sekundärquelle mit PVGIS-Bezug (CalculaSolar, abgerufen am 15. September 2026). Der direkte Abruf der PVGIS-Schnittstelle war bei der Recherche nicht möglich; für eine Investitionsentscheidung sollten die Werte dort neu erzeugt werden.

Der interessantere Befund steckt nicht im Jahreswert, sondern im Jahresverlauf. Die Kanaren produzieren fast gleichmäßig: Zwischen dem schwächsten und dem stärksten Monat in Las Palmas liegen keine 30 %. Das passt hervorragend zu einem konstanten Verbrauch. Die Balearen sind deutlich saisonaler — 163 gegen 100 kWh/kWp zwischen Juli und Dezember. Das ist ein Nachteil für ein ganzjährig bewohntes Haus, aber ein Vorteil, wenn die Immobilie im Sommer vermietet wird: Der Ertrag fällt genau dann an, wenn Klimaanlage, Pool und Warmwasser laufen.

Tarifvergleich

Derselbe Verbrauch, eine andere Rechnung

Laden Sie eine beliebige spanische Stromrechnung hoch. Der Vergleichsrechner von Lead EnergIA rechnet Ihren echten Verbrauch gegen die aktuellen Tarife und zeigt, was ein anderer Vertrag gekostet hätte — auf Deutsch, ohne Anruf, ohne Verpflichtung. Auch dann, wenn das Ergebnis lautet: bleiben.

Was eine Anlage 2026 kostet

Für eine schlüsselfertige Wohnanlage nennt der spanische Markt 2026 eine Spanne von 4.000 bis 9.500 €. Ein oft zitiertes Referenzbeispiel ist eine Anlage mit 4,5 kWp (acht Module zu 580 Wp) für einen Haushalt mit 4.500 kWh Jahresverbrauch: 8.500 bis 9.500 € vor jeder steuerlichen Entlastung.

Spezifische Kosten kleiner Anlagen
Rund 1.300 bis 1.900 € je kWp. Bei 6 bis 10 kWp sinkt der Wert in Richtung 1.000 bis 1.300 €/kWp — die Fixkosten für Gerüst, Anfahrt, Papierkram verteilen sich auf mehr Module.
Kostenanteile
Module 30–40 %, Wechselrichter 15–20 %, Speicher (falls vorhanden) 30–40 %, Unterkonstruktion und Elektrik 10–15 %, Arbeit, Planung und Genehmigungen 15–20 %.
Speicher
Ein Lithiumspeicher schlägt mit 30 bis 40 % der Gesamtkosten zu Buche. In einem leeren Haus bringt er praktisch nichts: Er ist nach dem ersten Sonnentag voll und verschiebt Energie nur innerhalb desselben Tages.
Inselzuschlag
Seefracht, Logistik und weniger Wettbewerb unter den Installateuren machen Angebote auf den Balearen und besonders auf den Kanaren teurer als auf dem Festland. Diese Einschätzung ist marktüblich, aber nicht belegt. Holen Sie grundsätzlich drei Angebote ein und übertragen Sie keine Festlandpreise.

Das strukturelle Problem: Erzeugung und Anwesenheit passen nicht zusammen

Der Ertrag einer Anlage ist das eine, ihr wirtschaftlicher Wert das andere. Gespart wird in Spanien vor allem dadurch, dass Sie Strom nicht einkaufen müssen — rund 0,15 bis 0,20 €/kWh. Der eingespeiste Überschuss wird dagegen nur mit 0,04 bis 0,10 €/kWh bewertet, und er wird zusätzlich monatlich gedeckelt: Was über den Verbrauch des Monats hinausgeht, verfällt. Die Mechanik dahinter erklären wir ausführlich unter Überschussvergütung.

In einem leeren Haus liegt der laufende Verbrauch — Kühlschrank, Poolfilter, Standby — schätzungsweise bei 100 bis 250 Watt. Eine 4-kWp-Anlage liefert mittags über 3 kW. Neun Zehntel davon gehen ins Netz, werden zum niedrigen Satz bewertet und stoßen dort schnell an den Monatsdeckel. Die Anlage funktioniert einwandfrei — nur ist jede Kilowattstunde einen Bruchteil dessen wert, was das Verkaufsgespräch nahegelegt hat. Dasselbe Missverhältnis trifft übrigens auch das kleine Steckermodul, das gern als unkomplizierter Einstieg gilt: was in Spanien wirklich dafür gilt.

Amortisation: die Größenordnungen

Die folgenden Zeiträume sind eigene Schätzungen dieses Portals, abgeleitet aus den Kosten, den Erträgen und den Vergütungssätzen oben. Sie sind keine Messwerte und ersetzen keine Berechnung für Ihr Haus.

Eigene Schätzung auf Basis der Kosten- und Ertragsangaben dieser Seite
NutzungsprofilGeschätzte AmortisationWas den Ausschlag gibt
Hauptwohnsitz, Eigenverbrauchsquote über 60 %, ohne Speicheretwa 5–8 JahreHoher Anteil selbst verbrauchter Energie, Steuerermäßigung nutzbar
Hauptwohnsitz mit physischem Speicheretwa 8–12 JahreSpeicher hebt die Eigenverbrauchsquote, kostet aber 30–40 % Aufpreis
Zweitwohnsitz mit geringer Belegung, nur Überschussverrechnungetwa 12–20 Jahre oder nieMonatsdeckel, niedriger Überschusspreis, kaum zeitgleicher Verbrauch

Ausdrücklich eine Schätzung, keine belegte Kennzahl. Wer eine Amortisationszeit nennt, muss die Annahmen offenlegen: Strompreis, Eigenverbrauchsanteil und Belegungswochen. Unsere Annahmen stehen in der Methodik.

Entscheidungsmatrix: wann ja, wann nein

Wann sich Photovoltaik im spanischen Zweitwohnsitz lohnt
Ihre SituationEmpfehlungBegründung
Belegung unter drei Monaten, kein zweiter Anschluss in SpanienEher nicht — oder sehr klein (2–3 kWp)Es fehlt schlicht der zeitgleiche Verbrauch; der Großteil der Produktion verfällt
Ferienvermietung im SommerJaDer balearische Ertragsgipfel im Juli trifft auf Klimaanlage, Pool und Warmwasser — der beste Fall
Beheizter Pool, Poolpumpe mit ZeitschaltungJaDie Filterpumpe ist im Ferienhaus oft der größte Einzelverbraucher und lässt sich in die Mittagsstunden legen
Wärmepumpe (aerotermia) vorhanden oder geplantJaVerschiebbare Last mit hohem Wirkungsgrad; siehe Wärmepumpe in Spanien
Elektroauto, das vor Ort geladen wirdJaProgrammierte Mittagsladung verwandelt Überschuss zu 0,06 €/kWh in Ersparnis zu 0,20 €/kWh
Zweiter eigener Anschluss im Umkreis von 5 kmJa, als gemeinschaftlicher EigenverbrauchSeit dem RD-ley 7/2026 möglich; besser als eine virtuelle Batterie, weil ohne Gebühr und Anbieterbindung
Niedrige Belegung, kein weiterer Anschluss, Anlage trotzdem gewünschtNur mit virtueller BatterieSie ist die einzige Möglichkeit, den Winterüberschuss nicht zu verlieren — mit den bekannten Nachteilen
Haus wird in absehbarer Zeit verkauftEher nichtBei Amortisationszeiten von über zwölf Jahren schlägt sich die Anlage selten voll im Kaufpreis nieder

Bevor Sie über Module nachdenken, lohnt fast immer ein Blick auf die Fixkosten: Eine zu hoch gewählte potencia contratada kostet jedes Jahr Geld, unabhängig davon, ob jemand im Haus ist. Der Leistungsrechner zeigt in wenigen Minuten, ob dort mehr zu holen ist als auf dem Dach. Und wer das Haus ohnehin nur wenige Wochen nutzt, findet unter Stromvertrag fürs Ferienhaus die günstigeren Hebel.

Kostenloser KI-Check

Zahlen Sie zu viel für Leistung, die Sie nie brauchen?

Die vertraglich vereinbarte Leistung (potencia contratada) läuft in Spanien 365 Tage im Jahr weiter — auch wenn das Haus leer steht. Unsere KI liest Ihre Rechnung und sagt Ihnen in wenigen Minuten, welche kW-Stufe wirklich zu Ihrem Haushalt passt.

Lohnt sich eine Solaranlage auf Mallorca, wenn ich nur im Sommer da bin?
Nur bedingt. Die Produktionsspitze im Juli trifft dann zwar auf Ihre Anwesenheit, aber von Oktober bis Mai verfällt der Überschuss Monat für Monat. Wenn Sie in dieser Zeit vermieten, sieht die Rechnung deutlich besser aus. Ohne Vermietung sollte die Anlage klein bleiben oder mit einer virtuellen Batterie kombiniert werden.
Wie viel Strom produziert 1 kWp auf den Kanaren?
Rund 1.768 kWh im Jahr in Santa Cruz de Tenerife und rund 1.614 kWh in Las Palmas, nach PVGIS-Klimareihen. Besonders bemerkenswert ist die geringe Schwankung: Der schwächste Monat erreicht dort fast 80 % des stärksten.
Was kostet eine Photovoltaikanlage in Spanien 2026?
Schlüsselfertig 4.000 bis 9.500 € für ein Wohnhaus, also etwa 1.300 bis 1.900 € je kWp bei kleinen Anlagen. Auf den Inseln liegen die Preise wegen Transport und geringerem Wettbewerb tendenziell am oberen Rand. Holen Sie drei Angebote ein.
Wann amortisiert sich eine PV-Anlage im spanischen Ferienhaus?
Nach unserer Schätzung in 12 bis 20 Jahren — oder gar nicht, wenn die Belegung sehr niedrig ist und kein zweiter Anschluss oder keine virtuelle Batterie den Überschuss auffängt. Bei ganzjähriger Nutzung sind 5 bis 8 Jahre realistisch.
Bringt ein Batteriespeicher im Ferienhaus etwas?
Gegen das saisonale Problem nicht. Ein physischer Speicher verschiebt Energie nur innerhalb eines Tages; in einem leeren Haus ist er nach dem ersten Sonnentag voll. Er verteuert die Anlage um 30 bis 40 %.
Steigert eine Solaranlage den Wert meiner Immobilie in Spanien?
Sie verbessert in der Regel die Energieklasse im certificado de eficiencia energética, das bei Verkauf und Vermietung ohnehin vorgelegt werden muss. Einen belastbaren Aufschlag auf den Kaufpreis können wir nicht beziffern — dazu gibt es für die Balearen und Kanaren keine verlässlichen Daten.

Quellen

Alle Angaben auf dieser Seite stammen aus offiziellen spanischen Quellen (BOE, CNMC, MITECO, Netzbetreiber). Stand: 2026-09-15.

  1. CalculaSolar – Solarertrag Palma de Mallorca (nach PVGIS-Daten der EU-Kommission)
  2. CalculaSolar – Solarertrag Santa Cruz de Tenerife (nach PVGIS-Daten)
  3. CuencaSolar – Preis einer Wohn-Photovoltaikanlage 2026
  4. BOE – Real Decreto 244/2019, Artikel 14 (Monatsdeckel der Verrechnung)
  5. Solar360 – Virtuelle Batterie und Zweitwohnsitz