Comercializadora und distribuidora: zwei Firmen, zwei Zuständigkeiten
Die erste und teuerste Verwechslung. Ihr Stromanbieter heißt in Spanien comercializadora. Er kauft Strom ein, schreibt Ihren Vertrag, stellt die Rechnung und ist Ihr Ansprechpartner für Preise, Tarife und Kündigung. Ihn können Sie jederzeit wechseln.
Der Netzbetreiber heißt distribuidora. Ihm gehören Leitungen, Hausanschluss und Zähler. Er liest den Verbrauch aus, behebt Störungen, führt Leistungsänderungen aus und meldet Zählerstände an die Anbieter. Ihn können Sie nicht wählen: Er ergibt sich aus der Lage Ihres Hauses. Auf den Balearen und den Kanaren ist es fast überall e-distribución aus der Endesa-Gruppe, die nach eigenen Angaben in acht autonomen Gemeinschaften und Ceuta rund 21 Millionen Menschen versorgt.
Von den über 300 in Spanien registrierten Netzgesellschaften decken fünf rund 99 Prozent aller Anschlusspunkte ab. Der Rest sind lokale Betriebe und Genossenschaften. Eine davon ist für deutsche Eigentümer auf Mallorca durchaus relevant: In Sóller und Fornalutx ist nicht e-distribución zuständig, sondern die örtliche Genossenschaft Vall de Sóller Energia. Wer dort wohnt, hat andere Ansprechpartner als der Rest der Insel — Übersicht der spanischen Netzbetreiber.
Zahlen Sie zu viel für Leistung, die Sie nie brauchen?
Die vertraglich vereinbarte Leistung (potencia contratada) läuft in Spanien 365 Tage im Jahr weiter — auch wenn das Haus leer steht. Unsere KI liest Ihre Rechnung und sagt Ihnen in wenigen Minuten, welche kW-Stufe wirklich zu Ihrem Haushalt passt.
Die fünf großen Konzerne
Endesa, Iberdrola, Naturgy, Repsol und TotalEnergies dominieren den Haushaltsmarkt. Nach dem Endkundenbericht der Regulierungsbehörde CNMC für 2024 entfielen auf Endesa rund 28 Prozent und auf Iberdrola rund 23 Prozent der Stromkunden, auf Naturgy rund 8 Prozent. Jeder dieser Konzerne tritt doppelt auf: mit einer freien Vertriebsmarke und mit einer gesetzlich getrennten Gesellschaft für den regulierten Tarif PVPC.
| Konzern | Rolle im freien Markt | Gesellschaft für den regulierten Tarif (PVPC) |
|---|---|---|
| Endesa | größter Haushaltsversorger, ca. 28 % Marktanteil (2024) | Energía XXI Comercializadora de Referencia |
| Iberdrola | zweitgrößter Anbieter, ca. 23 % (2024) | Curenergía Comercializador de Último Recurso |
| Naturgy | Strom und Gas aus einer Hand, ca. 8 % (2024) | Comercializadora Regulada, Gas & Power |
| Repsol | Strom, Gas und Kraftstoff-Bündel | Régsiti Comercializadora Regulada (nur Festland) |
| TotalEnergies | aus dem Kauf spanischer Vertriebe entstanden | Comercializador de Referencia Energético |
| EDP | aktiv im freien Markt | Baser Comercializadora de Referencia |
Marktanteile: CNMC-Endkundenbericht 2024. Die Liste der Referenzgesellschaften stammt aus dem CNMC-Register; die Zuordnung zum Konzern ist die branchenübliche Lesart und steht so nicht im Register. Für Ceuta und Melilla gelten eigene Gesellschaften.
Für Sie folgt daraus eine praktische Regel: Der Name auf der Rechnung sagt noch nichts über den Preis. „Endesa“ kann den regulierten PVPC-Tarif bedeuten oder ein freies Produkt mit Wartungspaket und Mindestlaufzeit. Entscheidend ist, welche Gesellschaft im Vertrag steht und welche Preisart vereinbart wurde.
Unabhängige Anbieter, Genossenschaften und Nischenversorger
Neben den Konzernen gibt es eine zweite Gruppe, die für einen wenig genutzten Zweitwohnsitz oft besser passt: kleinere Anbieter ohne Filialnetz, ohne Callcenter-Vertrieb und ohne Zusatzdienste im Paket. Dazu zählen unter anderem Octopus Energy, Holaluz und Lucera sowie Energiegenossenschaften wie Som Energia oder La Corriente, bei denen Kundinnen und Kunden zugleich Mitglieder sind.
- Typischer Vorteil: schlanke Tarife, häufig ohne Mindestlaufzeit, Abwicklung vollständig online, klare Trennung von Stromlieferung und Zusatzleistungen.
- Typischer Nachteil: kein Büro vor Ort, Service nur auf Spanisch, teils auch auf Englisch, und bei Problemen mit dem Netzbetreiber übernimmt niemand die Korrespondenz für Sie.
- Häufiger Irrtum: Ein kleiner Anbieter liefert nicht „anderen“ Strom. Netz, Zähler und Versorgungssicherheit bleiben identisch — es ändert sich nur, wer abrechnet.
- Prüfpunkt: Manche kleinen Anbieter akzeptieren einen ausländischen Reisepass oder eine deutsche Bankverbindung problemloser als die Großen, deren Formulare auf spanische Dokumente ausgelegt sind.
Freier Markt oder reguliertes PVPC
Spanien kennt zwei Welten. Im freien Markt (mercado libre) verhandelt der Anbieter Preis und Konditionen selbst; dort liegen inzwischen rund drei Viertel der Haushalte. Im regulierten Markt gilt der PVPC, ein staatlich berechneter Preis, der stündlich schwankt und nur von den acht Referenzgesellschaften angeboten werden darf. 2024 waren dort noch 8,4 Millionen Kunden, also 28,5 Prozent.
Die Zahlen der CNMC für 2024 sind ein nützlicher Realitätscheck: Die Preise für Haushalte stiegen im freien Markt um rund 6 Prozent, im PVPC nur um rund 1 Prozent. Der freie Markt ist also nicht automatisch der günstigere — er ist der verhandelbare. Welche Variante für Ihr Nutzungsprofil passt, klären wir ausführlich unter PVPC oder freier Markt.
Was das Königliche Dekret 88/2026 geändert hat
Am 12. Februar 2026 ist das Real Decreto 88/2026 in Kraft getreten, das neue Grundregelwerk für Versorgung, Vertrieb und Aggregation von Strom. Es hat ältere Verordnungen vollständig ersetzt — weshalb ein großer Teil der spanischen Ratgeberseiten, teilweise auch Informationsseiten der CNMC selbst, im Herbst 2026 noch veraltete Angaben enthält. Diese Punkte sollten Sie kennen:
- Wechsel in 10 Werktagen
- Artikel 18.1 gibt Ihnen das Recht, den Anbieter binnen höchstens zehn Werktagen ab Vertragsschluss zu wechseln. Nur wenn aufwendige Arbeiten vor Ort nötig sind, dürfen fünf Werktage dazukommen. Die oft zitierten „21 Tage“ sind etwas anderes: So lange hat der Netzbetreiber Zeit, dem alten Anbieter den Schlusszählerstand zu melden (Artikel 19.6).
- Unerbetene Werbeanrufe verboten
- Kaltakquise per Telefon für Stromangebote ist untersagt. Ergänzend haben Sie das Recht, der Weitergabe Ihrer Anschlussdaten aus der Datenbank SIPS an fremde Anbieter schriftlich zu widersprechen (Artikel 8) — die wirksamste Vorbeugung gegen Werbeanrufe.
- Vertragsstrafe auf 5 % gedeckelt
- Eine Strafe für vorzeitige Kündigung darf 5 Prozent des Werts der geschätzten Restenergie nicht überschreiten und setzt einen nachgewiesenen Schaden des Anbieters voraus (Artikel 28). Haushalte im Standardtarif 2.0TD ohne Festpreis können jederzeit ohne Strafe kündigen.
- Dokument-Zusammenfassung zum Vertrag
- Vor Vertragsschluss müssen Sie ein separates Kurzdokument mit den wesentlichen Bedingungen in einfacher Sprache erhalten — kein Verweis mehr auf allgemeine Geschäftsbedingungen. Für Nichtspanischsprachige ist das die wichtigste praktische Neuerung.
- Antwortfrist 15 Werktage
- Der Kundenservice muss Beschwerden binnen 15 Werktagen beantworten (Artikel 55). Auch hier sind die im Netz kursierenden „30 Tage“ überholt.
- Zugang zur Vertragsaufzeichnung
- Bei telefonisch geschlossenen Verträgen haben Sie Anspruch auf die Aufzeichnung; die Zustimmung muss der Anbieter fünf Jahre lang nachweisbar aufbewahren.
So wählen Sie: die Reihenfolge, die Geld spart
Die meisten Eigentümer beginnen beim Preis pro Kilowattstunde. Das ist der letzte Schritt, nicht der erste. Diese Reihenfolge bringt in der Praxis deutlich mehr:
- Leistung prüfen. Die vereinbarte Leistung (potencia contratada) läuft 365 Tage im Jahr. Allein der regulierte Anteil kostet 2026 im Tarif 2.0TD 27,704413 € pro kW und Jahr. Jedes überflüssige Kilowatt kostet also rund 28 € jährlich, bevor die Vertriebsmarge und die Steuern dazukommen. Wie Sie den richtigen kW-Wert bestimmen.
- Echten Verbrauch beschaffen. Rechnen Sie nicht mit Schätzungen. Die Lastgänge der letzten Monate bekommen Sie kostenlos im Kundenbereich des Netzbetreibers oder über die gemeinsame Plattform datadis.es.
- Preisart festlegen. Festpreis, indexiert oder PVPC — das entscheidet über Planbarkeit und Risiko, nicht über den Durchschnittspreis.
- Jahreskosten rechnen, nicht kWh-Preise vergleichen. Leistungspreis, Arbeitspreis, Zählermiete, Zusatzdienste und Steuern gehören in eine einzige Zahl. Die vollständige Rechenformel.
- Erst zum Schluss über Service entscheiden. Sprache, Erreichbarkeit und Rechnungsformat sind bares Geld wert, wenn Sie nicht in Spanien wohnen — aber sie ersetzen keinen falsch dimensionierten Vertrag.
Sieben Warnzeichen für einen schlechten Vertrag
- Ein auffällig niedriger Arbeitspreis, aber kein klar genannter Leistungspreis in € pro kW und Jahr.
- Ein Wartungs-, Reparatur- oder Versicherungspaket, das Sie nicht ausdrücklich bestellt haben. Eine Branchenauswertung kam 2026 zu dem Ergebnis, dass rund 20 Prozent der Verträge im freien Markt solche Leistungen ohne klare Deklaration enthalten.
- Ein Rabatt, der ausdrücklich „für das erste Jahr“ gilt — danach greift automatisch der Listenpreis.
- Werbung mit „Gratisstunden“ oder einem freien Wochentag, während der Leistungspreis hoch angesetzt ist.
- Eine Pauschale mit „inklusive Verbrauch“ und jährlicher Nachverrechnung. Bei geringem Verbrauch zahlen Sie zuverlässig zu viel.
- Eine Mindestlaufzeit ohne Festpreis. Bei Haushalten im Tarif 2.0TD ohne Festpreis ist sie seit 2026 nicht mehr zulässig.
- Der Vertrag kam nach einem unaufgeforderten Anruf zustande. Das ist seit Februar 2026 verboten, und Sie haben zusätzliche Widerrufsrechte — Fristen und Vorgehen.
Die fünf Vertiefungen zu diesem Thema
Richtig vergleichen
Warum der kWh-Preis allein nichts aussagt, die vollständige Formel für die Jahreskosten und acht Fragen, die Sie vor der Unterschrift stellen sollten.
mehr erfahrenSpracheService auf Deutsch
Was „deutschsprachiger Service“ in der Praxis bedeutet, was er kostet und woran Sie echte Betreuung von einer übersetzten Website unterscheiden.
mehr erfahrenAblaufAnbieter wechseln
Zehn Werktage, keine Unterbrechung, kein neuer Zähler: der Wechsel Schritt für Schritt, mit allen Fristen des Dekrets 88/2026.
mehr erfahrenZweitwohnsitzVertrag fürs Ferienhaus
Was ein Haus braucht, das 40 Wochen im Jahr leer steht — und warum der Arbeitspreis dabei die unwichtigste Größe ist.
mehr erfahrenTarifartPVPC oder freier Markt
Wie der regulierte Preis 2026 berechnet wird, wer ihn bekommt und für wen er sich wirklich eignet.
mehr erfahrenZahlenWas Leerstand kostet
Die Fixkosten eines geschlossenen Hauses in Zahlen, von der Zählermiete bis zur Steuer auf die Steuer.
mehr erfahrenWelcher Stromanbieter ist in Spanien der beste?
Kann ich in Spanien meinen Netzbetreiber wechseln?
Wie viele Stromanbieter gibt es in Spanien?
Darf mich ein Stromanbieter in Spanien anrufen?
Ändert sich beim Anbieterwechsel etwas an Zähler oder Anschluss?
Brauche ich für einen Stromvertrag eine spanische Bankverbindung?
Derselbe Verbrauch, eine andere Rechnung
Laden Sie eine beliebige spanische Stromrechnung hoch. Der Vergleichsrechner von Lead EnergIA rechnet Ihren echten Verbrauch gegen die aktuellen Tarife und zeigt, was ein anderer Vertrag gekostet hätte — auf Deutsch, ohne Anruf, ohne Verpflichtung. Auch dann, wenn das Ergebnis lautet: bleiben.
Quellen
Alle Angaben auf dieser Seite stammen aus offiziellen spanischen Quellen (BOE, CNMC, MITECO, Netzbetreiber). Stand: 2026-09-15.
- BOE – Real Decreto 88/2026 (Reglamento general de suministro), konsolidierter Text
- CNMC – Bericht zur Überwachung des Endkundenmarkts 2024 (04.08.2025)
- CNMC – Verzeichnis der Referenzvertriebe (comercializadoras de referencia)
- MITECO – Wechsel des Stromanbieters
- OCU – Strompreis und durchschnittliche Rechnung 2026
- e-distribución – Verbreitungsgebiet der Netzgesellschaft