Rechnung verstehen

Eine spanische Stromrechnung Zeile für Zeile nachgerechnet

Wir nehmen einen typischen Fall: 5,75 kW vereinbarte Leistung, 300 kWh Verbrauch, ein Abrechnungszeitraum von 30 Tagen, Tarif 2.0TD, Festland oder Balearen. Aus diesen vier Angaben lässt sich jede Zeile der Rechnung herleiten — und am Ende steht ein Betrag von 73,39 €. Alle Rechenwege sind offengelegt, damit Sie dasselbe mit Ihren eigenen Zahlen tun können.

· Wie wir recherchieren

Die Ausgangsdaten des Beispiels

Damit die Rechnung nachvollziehbar bleibt, legen wir alle Annahmen offen. Zwei Größen sind reguliert und für 2026 amtlich veröffentlicht; eine Größe — der reine Energiepreis des Anbieters — ist eine begründete Annahme, weil sie von Vertrag zu Vertrag verschieden ist. Welche Tarifarten die einzelnen Unternehmen führen, steht in den Anbieterprofilen.

Alle Eingangsgrößen der Beispielrechnung
AngabeWertHerkunft
Potencia contratada (vereinbarte Leistung)5,75 kW in P1 und in P2Normierte Stufe, typisch für ein Haus mit Klimaanlage
Verbrauch im Zeitraum300 kWhAngenommen; der spanische Durchschnitt liegt bei rund 292 kWh im Monat
Periodo de facturación30 TageAngenommen
Aufteilung auf die Zeitzonen84 kWh P1 · 96 kWh P2 · 120 kWh P3Angenommen (28 % / 32 % / 40 %)
Regulierter Leistungsanteil0,075902 €/kW·Tag (P1), 0,001987 €/kW·Tag (P2)CNMC-Netzentgelt plus Systemumlage 2026
Regulierter Arbeitsanteil0,097553 / 0,029267 / 0,003292 €/kWhCNMC-Netzentgelt plus Systemumlage 2026
Reiner Energiepreis des Anbieters0,107 €/kWh, für alle Zeitzonen gleichAnnahme, hergeleitet aus der REE-Musterrechnung (416 € für 3.900 kWh)
Zählermiete0,81 €/MonatEinphasiger digitaler Zähler, Orden IET/1491/2013
Steuern5,11269632 % Stromsteuer, 21 % MehrwertsteuerGeltende Sätze seit dem 1. Juni 2026

Für den Leistungspreis unterstellen wir, dass der Anbieter genau den regulierten Anteil weitergibt und keinen eigenen Aufschlag nimmt. Viele Verträge schlagen hier auf — das ist die verbreitetste Methode, eine Rechnung unauffällig teurer zu machen. Prüfen Sie Ihren eigenen €/kW-Tagespreis gegen die 0,075902 € aus der Tabelle.

Tarifvergleich

Derselbe Verbrauch, eine andere Rechnung

Laden Sie eine beliebige spanische Stromrechnung hoch. Der Vergleichsrechner von Lead EnergIA rechnet Ihren echten Verbrauch gegen die aktuellen Tarife und zeigt, was ein anderer Vertrag gekostet hätte — auf Deutsch, ohne Anruf, ohne Verpflichtung. Auch dann, wenn das Ergebnis lautet: bleiben.

Schritt 1: Der Leistungspreis (término de potencia)

Der Leistungspreis ist reine Multiplikation: vereinbarte Kilowatt mal Tagespreis mal Anzahl der Tage. Er hat mit Ihrem Verbrauch nichts zu tun. Im Tarif 2.0TD gibt es zwei Leistungswerte — einen für die Hochlastzeit (punta, P1) und einen für die Schwachlastzeit (valle, P2). Bei den meisten Haushaltsverträgen sind beide gleich hoch.

  • P1: 5,75 kW × 0,075902 €/kW·Tag × 30 Tage = 13,0931 € → 13,09 €
  • P2: 5,75 kW × 0,001987 €/kW·Tag × 30 Tage = 0,3428 € → 0,34 €

Zusammen 13,43 € für den Monat. Der P2-Anteil ist fast vernachlässigbar: Der regulierte Leistungspreis in der Schwachlastzeit beträgt 0,725423 €/kW und Jahr gegenüber 27,704413 € in der Hochlastzeit. Deshalb ergibt eine höhere Nachtleistung nur dann Sinn, wenn nachts wirklich mehr Leistung gebraucht wird — praktisch ausschließlich bei einer Wallbox.

Schritt 2: Der Arbeitspreis (término de energía)

Der Arbeitspreis wird für jede der drei Zeitzonen getrennt berechnet. Jeder Zonenpreis besteht aus dem regulierten Anteil und dem Energiepreis des Anbieters. Auf spanischen Rechnungen erscheint meist nur die Summe je Zone; die Aufspaltung zeigen wir hier, weil erst sie erklärt, warum Nachtstrom so viel günstiger ist.

Zusammensetzung des Arbeitspreises je Zeitzone
ZeitzoneReguliert (€/kWh)Energie des Anbieters (€/kWh)Preis gesamt (€/kWh)
P1 punta — werktags 10–14 und 18–22 Uhr0,0975530,1070,204553
P2 llano — werktags 8–10, 14–18 und 22–24 Uhr0,0292670,1070,136267
P3 valle — 0–8 Uhr, Sa, So und Feiertage0,0032920,1070,110292

Der Unterschied zwischen P1 und P3 beträgt in diesem Beispiel 0,094261 €/kWh — fast neun Cent, und davon stammt praktisch alles aus dem regulierten Anteil. Welche Stunde in welche Zone fällt.

  • P1: 84 kWh × 0,204553 €/kWh = 17,1825 € → 17,18 €
  • P2: 96 kWh × 0,136267 €/kWh = 13,0816 € → 13,08 €
  • P3: 120 kWh × 0,110292 €/kWh = 13,2350 € → 13,24 €

Zusammen 43,50 €. Bemerkenswert: In P3 wurden mit 120 kWh die meisten Kilowattstunden verbraucht, und trotzdem kostet diese Zone ungefähr gleich viel wie P1 mit nur 84 kWh. Wer Waschmaschine, Geschirrspüler, Poolpumpe und Warmwasserboiler konsequent in die Nacht oder aufs Wochenende legt, verschiebt echtes Geld.

Schritt 3: Steuern und Zählermiete — die Reihenfolge entscheidet

Jetzt kommt der Teil, den fast alle falsch machen. Die Stromsteuer (Impuesto Especial sobre la Electricidad) wird nur auf die Summe aus Leistungs- und Arbeitspreis erhoben — die Zählermiete bleibt außen vor. Die Mehrwertsteuer kommt danach auf alles, die Stromsteuer eingeschlossen.

Die vollständige Beispielrechnung: 5,75 kW, 300 kWh, 30 Tage, Tarif 2.0TD
Zeile auf der RechnungDeutschRechenwegBetrag
Término de potencia P1Leistungspreis Hochlast5,75 kW × 0,075902 €/kW·Tag × 30 Tage13,09 €
Término de potencia P2Leistungspreis Schwachlast5,75 kW × 0,001987 €/kW·Tag × 30 Tage0,34 €
Energía P1 (punta)Arbeitspreis Hochlast84 kWh × 0,204553 €/kWh17,18 €
Energía P2 (llano)Arbeitspreis Mittellast96 kWh × 0,136267 €/kWh13,08 €
Energía P3 (valle)Arbeitspreis Schwachlast120 kWh × 0,110292 €/kWh13,24 €
SubtotalZwischensumme Leistung + Arbeit13,09 + 0,34 + 17,18 + 13,08 + 13,2456,93 €
Impuesto eléctrico (IEE)Stromsteuer, 5,11269632 %56,93 € × 5,11269632 %2,91 €
Alquiler del equipo de medidaZählermiete0,81 €/Monat × 1 Monat0,81 €
Base imponibleBemessungsgrundlage der Mehrwertsteuer56,93 + 2,91 + 0,8160,65 €
IVA 21 %Mehrwertsteuer60,65 € × 21 %12,74 €
Total importe facturaRechnungsbetrag60,65 + 12,7473,39 €

Jede Zeile ist einzeln auf zwei Nachkommastellen gerundet, genau wie es spanische Abrechnungssysteme tun. Deshalb kann Ihre eigene Rechnung um ein bis zwei Cent abweichen, ohne dass etwas falsch wäre.

Der Fixkostenanteil: was Sie auch bei null Verbrauch zahlen

Ziehen wir aus derselben Rechnung heraus, was unabhängig vom Verbrauch anfällt: Leistungspreis, Zählermiete und die darauf entfallenden Steuern.

  • Leistungspreis P1 + P2: 13,09 € + 0,34 € = 13,43 €
  • Stromsteuer darauf: 13,43 € × 5,11269632 % = 0,69 €
  • Zählermiete: 0,81 €
  • Zwischensumme: 14,93 €, zuzüglich 21 % Mehrwertsteuer = 18,07 €

Das sind rund 217 € im Jahr und knapp ein Viertel der gesamten Rechnung — fällig auch dann, wenn zwölf Monate lang niemand im Haus ist. Für Eigentümer eines Zweitwohnsitzes ist das die einzige Zahl, die wirklich zählt. Wie hoch sie im konkreten Fall wird, rechnet der Kostenrechner für leerstehende Häuser aus. Liegt Ihre eigene Rechnung deutlich über diesem Muster, hilft der Abgleich mit den typischen Ursachen einer zu hohen Rechnung.

Gegenprobe: dieselbe Rechnung mit 4,6 kW

Was passiert, wenn dieselbe Familie eine Stufe tiefer geht — von 5,75 auf 4,6 kW? Der Verbrauch bleibt gleich, nur der Leistungspreis sinkt.

Eine kW-Stufe weniger, alles andere identisch
Zeile5,75 kW4,6 kW
Leistungspreis P113,09 €10,47 €
Leistungspreis P20,34 €0,27 €
Arbeitspreis (unverändert)43,50 €43,50 €
Zwischensumme56,93 €54,24 €
Stromsteuer 5,11269632 %2,91 €2,77 €
Zählermiete0,81 €0,81 €
Bemessungsgrundlage60,65 €57,82 €
Mehrwertsteuer 21 %12,74 €12,14 €
Rechnungsbetrag73,39 €69,96 €

Differenz: 3,43 € im Monat, rund 41 € im Jahr — dauerhaft, ohne jeden Komfortverzicht, sofern die Leistung tatsächlich reicht. Die Umstellung selbst kostet einmalig die derechos de enganche von 9,04 € zuzüglich Mehrwertsteuer. Ob 4,6 kW in Ihrem Haus ausreichen, klärt die Seite zur potencia; die Abwicklung beschreibt Leistung ändern.

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Die vertraglich vereinbarte Leistung (potencia contratada) läuft in Spanien 365 Tage im Jahr weiter — auch wenn das Haus leer steht. Unsere KI liest Ihre Rechnung und sagt Ihnen in wenigen Minuten, welche kW-Stufe wirklich zu Ihrem Haushalt passt.

Dieselbe Rechnung auf den Kanaren

Auf den Kanarischen Inseln tritt an die Stelle der Mehrwertsteuer der IGIC, und der beträgt für Haushalte 0 %. Die Stromsteuer wird dagegen auch dort erhoben. Aus der Bemessungsgrundlage von 60,65 € wird damit direkt der Rechnungsbetrag: statt 73,39 € zahlt derselbe Haushalt auf Teneriffa oder Gran Canaria 60,65 € — eine Ersparnis von 12,74 € im Monat oder gut 152 € im Jahr.

So rechnen Sie Ihre eigene Rechnung nach

  1. 1

    Die vier Grunddaten heraussuchen

    Vereinbarte Leistung in kW, Verbrauch in kWh je Zeitzone, Anzahl der Tage im Abrechnungszeitraum, Zählermiete. Alles steht auf Seite 1 und 2 Ihrer factura.

  2. 2

    Den Leistungspreis prüfen

    Teilen Sie den ausgewiesenen Leistungsbetrag durch (kW × Tage). Kommt ein Wert nahe 0,0759 €/kW·Tag heraus, gibt Ihr Anbieter nur den regulierten Anteil weiter. Liegt er deutlich darüber, zahlen Sie einen Aufschlag — der ist legal, aber verhandelbar.

  3. 3

    Den Arbeitspreis prüfen

    Ziehen Sie vom ausgewiesenen €/kWh-Preis je Zone den regulierten Anteil ab (0,097553 / 0,029267 / 0,003292). Was übrig bleibt, ist der eigentliche Energiepreis Ihres Anbieters — nur diese Zahl ist zwischen Angeboten vergleichbar.

  4. 4

    Die Steuerreihenfolge nachvollziehen

    Stromsteuer nur auf Leistung plus Arbeit, danach Zählermiete addieren, zum Schluss Mehrwertsteuer auf die Gesamtsumme. Weicht Ihre Rechnung von dieser Reihenfolge ab, lohnt eine Nachfrage.

  5. 5

    Den Verbrauch gegen die Zählerdaten halten

    Die Stundenwerte des Netzbetreibers sind kostenlos abrufbar. Weichen sie von der Rechnung ab, haben Sie einen belastbaren Reklamationsgrund — siehe Verbrauchsdaten abrufen.

Begriffe, die auf Ihrer Rechnung auftauchen und hier nicht vorkommen, finden Sie im Glossar Spanisch–Deutsch. Den Gesamtüberblick über den Rechnungsaufbau gibt die Übersichtsseite zur Stromrechnung.

Warum ist der Arbeitspreis in P1 fast doppelt so hoch wie in P3?
Weil der regulierte Anteil zwischen den Zonen um den Faktor 30 auseinanderliegt: 0,097553 €/kWh in der Hochlastzeit gegenüber 0,003292 €/kWh in der Schwachlastzeit. Der Energiepreis des Anbieters ist bei einem Festpreisvertrag dagegen in allen Zonen gleich.
Warum wird die Zählermiete nicht mit Stromsteuer belegt?
Weil die Stromsteuer nach dem Gesetz 38/1992 nur auf die Summe aus Leistungs- und Arbeitspreis erhoben wird. Die Zählermiete kommt erst danach in die Bemessungsgrundlage der Mehrwertsteuer.
Mein Leistungspreis ist höher als 0,0759 €/kW·Tag. Ist das ein Fehler?
Nein. Der regulierte Anteil ist eine Untergrenze; Anbieter im freien Markt dürfen einen Aufschlag nehmen. Es ist aber ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich ein Angebotsvergleich lohnt — gerade weil dieser Aufschlag verbrauchsunabhängig anfällt.
Wie viele kWh entfallen bei mir tatsächlich auf P1, P2 und P3?
Das steht auf der Rechnung selbst, meist in einer kleinen Tabelle neben dem Arbeitspreis. Genauer noch sind die Stundenwerte im Portal des Netzbetreibers oder auf datadis.es, die Sie als CSV-Datei herunterladen können.
Warum ist meine Rechnung im Sommer viel höher, obwohl niemand da war?
Zwei häufige Ursachen: eine geschätzte Ablesung, die später korrigiert wird, oder dauerhaft laufende Geräte — Poolpumpe, Warmwasserboiler, Standby-Verbraucher, ein Luftentfeuchter. Die Stundenkurve zeigt beides auf einen Blick.

Quellen

Alle Angaben auf dieser Seite stammen aus offiziellen spanischen Quellen (BOE, CNMC, MITECO, Netzbetreiber). Stand: 2026-09-15.

  1. CNMC – Resolución RAP/DE/009/25: Netzentgelte 2026
  2. BOE – Orden TED/1524/2025: Systemumlagen 2026
  3. AEAT – Stromsteuer: geltender Satz 2026
  4. REE/Redeia – Aufschlüsselung einer Musterrechnung
  5. Consumo Responde – Zählermiete nach Orden IET/1491/2013