Warum der kWh-Preis allein nichts aussagt
In Spanien zahlen Sie zwei Grundgrößen: für die bereitgestellte Leistung in Kilowatt und für die verbrauchte Energie in Kilowattstunden. Der Leistungspreis (término de potencia) fällt jeden Tag an, auch wenn niemand im Haus ist und kein einziges Gerät läuft. Genau hier sitzt die verbreitetste Kalkulation der Branche: Ein Anbieter wirbt mit einem sehr niedrigen Arbeitspreis und holt sich die Marge über einen hoch angesetzten Leistungspreis zurück.
Der Fachmann Mario Fernández, Geschäftsführer des Analysehauses Camby, hat das gegenüber der spanischen Presse so zusammengefasst: Man könne Ihnen den Strom sehr billig verkaufen, weil das Geschäft längst über die Leistung gemacht sei. Für einen wenig genutzten Zweitwohnsitz ist dieser Effekt besonders brutal, weil dort der Verbrauch klein und der Fixkostenanteil entsprechend groß ist — was für ein selten genutztes Haus gilt, haben wir getrennt aufgeschrieben.
Die vollständige Formel
So und nicht anders wird eine spanische Jahresrechnung gebildet. Die Reihenfolge ist wichtig, weil die Stromsteuer vor der Zählermiete ansetzt und die Mehrwertsteuer ganz am Ende auf alles davor — Steuer auf Steuer inklusive.
- Schritt 1: vereinbarte Leistung in kW × Leistungspreis in € pro kW und Jahr
- Schritt 2: plus Jahresverbrauch in kWh × Arbeitspreis in € pro kWh (bei drei Zeitzonen getrennt für P1, P2 und P3)
- Schritt 3: auf die Summe aus Schritt 1 und 2 die Stromsteuer (impuesto especial sobre la electricidad) von 5,11269632 %
- Schritt 4: plus Zählermiete und etwaige Zusatzdienste
- Schritt 5: auf alles zusammen 21 % Mehrwertsteuer (IVA). Auf den Kanaren gilt stattdessen die IGIC, für Haushalte mit 0 %.
| Bestandteil | Wert 2026 | Wer legt ihn fest |
|---|---|---|
| Regulierter Leistungsanteil 2.0TD (P1) | 27,704413 € je kW und Jahr | CNMC (Netzentgelt) und Regierung (Umlage) |
| Regulierter Leistungsanteil 2.0TD (P2) | 0,725423 € je kW und Jahr | CNMC und Regierung |
| Regulierter Energieanteil P1 / P2 / P3 | 0,097553 / 0,029267 / 0,003292 € je kWh | CNMC und Regierung |
| Vertriebsmarge auf Leistung und Energie | frei kalkuliert | Anbieter |
| Zählermiete, elektronischer Einphasenzähler | 0,81 € im Monat, rund 9,72 € im Jahr | Ministerialverordnung |
| Stromsteuer | 5,11269632 % auf Leistung plus Energie | Gesetz 38/1992 |
| Mehrwertsteuer | 21 % (Kanaren: IGIC 0 % für Haushalte) | Gesetz 37/1992 |
Die regulierten Anteile sind identisch, egal bei welchem Anbieter Sie sind. Unterschiede zwischen Angeboten entstehen ausschließlich in der Vertriebsmarge und bei Zusatzdiensten. Die ermäßigten Steuersätze aus dem Frühjahr 2026 sind seit dem 1. Juni 2026 wieder außer Kraft.
Eine Konsequenz daraus wird oft übersehen: Da der regulierte Teil überall gleich ist, vergleichen Sie in Wahrheit nur die Marge. Wenn ein Angebot beim Leistungspreis weit über 27,704413 € je kW und Jahr liegt, wissen Sie genau, wie hoch der Aufschlag ist. Wer die Rechnung nicht selbst nachrechnen will, überträgt die Werte in unsere Tarifanalyse auf Deutsch. Wie die Steuern auf der Rechnung zusammenwirken und wie sich P1, P2 und P3 verteilen, erklären wir getrennt.
Fünf Fallen im spanischen Tarifmarkt
1. Der aufgeblähte Leistungspreis
Die häufigste. Prüfen Sie den Leistungspreis immer zuerst, und zwar in € je kW und Jahr, nicht in Cent je kW und Tag — die Tagesangabe lässt Unterschiede winzig aussehen. Zugleich lohnt der Blick auf die eigene kW-Stufe: Nach spanischen Marktdaten spart die Absenkung der Leistung typischerweise 30 bis 60 € im Jahr, häufig mehr als ein Anbieterwechsel. So ändern Sie die Leistung.
2. Zusatzdienste, die niemand bestellt hat
Wartungsverträge für die Elektroinstallation, Hausratversicherungen, „Rundum-Schutz“-Pakete oder Handwerkerservice erscheinen als eigene Zeile mit eigener Mehrwertsteuer. Eine 2026 veröffentlichte Branchenauswertung kommt auf rund 20 Prozent der Verträge im freien Markt, die solche Leistungen ohne klare Deklaration enthalten. Sie haben das Recht, ausschließlich die Stromlieferung zu beauftragen. Wer Strom und Gas beim selben Konzern hat, sollte zusätzlich prüfen, ob dieselbe Wartung zweimal berechnet wird. Welche Zusatzpakete die einzelnen Anbieter führen, steht in den Profilen.
3. Rabatte mit Verfallsdatum
Der Aufnahmerabatt gilt typischerweise zwölf Monate und bezieht sich meist nur auf den Arbeitspreis. Danach verlängert sich der Vertrag automatisch zum Listenpreis, ohne auffälligen Hinweis. Notieren Sie sich das Enddatum am Tag der Unterschrift im Kalender.
4. „Gratisstunden“ und Gratistage
Werbeversprechen wie zwei kostenlose Stunden täglich oder ein kostenloser Wochentag beziehen sich stets nur auf den Energieanteil. Bezahlt werden sie über einen höheren Leistungspreis und teurere Reststunden. Für einen Haushalt, der seinen Verbrauch nicht gezielt in diese Fenster verschieben kann — und das gilt für jedes Ferienhaus — ist es reines Marketing.
5. Die Pauschale mit Nachverrechnung
Die tarifa plana verspricht eine feste Monatsrate mit „inklusive Verbrauch“. Am Jahresende wird abgerechnet: Mehrverbrauch ist teuer, Minderverbrauch wird nicht erstattet. Bei niedrigem und schwankendem Verbrauch zahlen Sie damit zuverlässig für Strom, den Sie nie genutzt haben.
Checkliste: acht Fragen vor der Unterschrift
- Wie hoch ist der Leistungspreis in Euro je kW und Jahr — getrennt für P1 und P2?
- Wie hoch ist der Arbeitspreis je kWh, und gilt er für alle drei Zeitzonen gleich oder getrennt?
- Handelt es sich um einen Festpreis, einen indexierten Preis oder eine Pauschale?
- Enthält der Vertrag Zusatzdienste, und wie viel kosten sie je Monat?
- Gibt es einen Rabatt, worauf bezieht er sich, und wann läuft er aus?
- Gibt es eine Mindestlaufzeit, und welche Strafe ist vorgesehen? Mehr als 5 Prozent der geschätzten Restenergie sind seit 2026 unzulässig, und es muss ein nachgewiesener Schaden vorliegen.
- Haben Sie das gesetzlich vorgeschriebene Kurzdokument mit den wesentlichen Bedingungen erhalten?
- Ist eine deutsche IBAN für das SEPA-Lastschriftmandat akzeptiert, und an welche Adresse gehen Rechnungen und Mahnungen?
Was ist ein guter Preis pro kWh in Spanien?
Was kostet der Leistungspreis in Spanien mindestens?
Lohnt sich ein Wechsel, wenn ich nur wenige Wochen im Jahr da bin?
Ist der offizielle Vergleichsrechner der CNMC verlässlich?
Muss ich Zusatzleistungen wie Wartung akzeptieren?
Derselbe Verbrauch, eine andere Rechnung
Laden Sie eine beliebige spanische Stromrechnung hoch. Der Vergleichsrechner von Lead EnergIA rechnet Ihren echten Verbrauch gegen die aktuellen Tarife und zeigt, was ein anderer Vertrag gekostet hätte — auf Deutsch, ohne Anruf, ohne Verpflichtung. Auch dann, wenn das Ergebnis lautet: bleiben.
Quellen
Alle Angaben auf dieser Seite stammen aus offiziellen spanischen Quellen (BOE, CNMC, MITECO, Netzbetreiber). Stand: 2026-09-15.
- CNMC – Netzentgelte 2026, Beschluss RAP/DE/009/25 (PDF)
- BOE – Orden TED/1524/2025: Systemumlagen 2026
- AEAT – Stromsteuer, Neuerungen und geltender Satz 2026
- Consumo Responde (Junta de Andalucía) – Abrechnung der Stromversorgung, Zählermiete
- CNMC – offizieller Angebotsvergleich für Strom und Gas
- Qué.es – versteckte Kosten spanischer Stromtarife (13.06.2026)