Grundlagen

Netzbetreiber in Spanien: die distribuidora

In Spanien gibt es zwei Unternehmen zwischen Ihnen und der Steckdose. Der Stromanbieter (comercializadora) verkauft Ihnen Energie und schickt die Rechnung; ihn wählen Sie frei. Der Netzbetreiber (distribuidora) besitzt Leitung und Zähler, liest ab, schaltet an und ab und behebt Störungen; ihn können Sie sich nicht aussuchen. Auf den Balearen und den Kanaren ist es in beiden Fällen e-distribución.

· Wie wir recherchieren

Der Unterschied, den fast alle Neuankömmlinge übersehen

Deutsche Stromkunden kennen die Trennung von Netz und Vertrieb theoretisch, merken sie im Alltag aber selten. In Spanien merken Sie sie sofort, spätestens beim ersten Stromausfall. Die comercializadora ist ein Handelsunternehmen: Sie kauft Strom ein, verkauft ihn weiter, stellt Rechnungen und betreibt kein einziges Kabel. Die distribuidora ist ein reguliertes Netzunternehmen: Ihr gehören Leitungen, Trafostationen und Ihr Zähler, sie misst den Verbrauch und gibt die Daten an Ihren Anbieter weiter.

Der Netzbetreiber hängt ausschließlich an der physischen Adresse Ihres Anschlusses und ist über die CUPS-Nummer codiert. Sie können ihn nicht wechseln, nicht kündigen und nicht vergleichen – so wenig, wie Sie sich in Deutschland den Betreiber des Ortsnetzes aussuchen können. Wechseln können Sie nur Ihren Anbieter, und das ändert am Netz nichts: Anbieterwechsel in Spanien.

Sache des Netzbetreibers (distribuidora)

  • Leitungsnetz, Trafostationen, Hausanschluss (acometida)
  • Ihr Zähler: Einbau, Austausch, Plombierung, Fernauslesung
  • Ablesung und Übermittlung der Verbrauchsdaten
  • Störungsbehebung rund um die Uhr, auch an Feiertagen
  • Geplante Abschaltungen und deren Ankündigung
  • Versorgungsqualität und der automatische Nachlass bei Unterschreitung
  • Technische Ab- und Zuschaltung, auch nach einer Sperrung
  • Neuanschlüsse und die Erhöhung der verfügbaren Leistung am Anschluss

Nicht Sache des Netzbetreibers

  • Der Preis pro Kilowattstunde – den bestimmt Ihr Anbieter oder der regulierte Tarif
  • Die Rechnung und deren Zahlungsweise
  • Ihr Vertrag, seine Laufzeit und seine Kündigung
  • Tarifberatung jeder Art – wer als „Netzbetreiber“ Tarife anbietet, ist keiner
  • Alles hinter Ihrem Zähler: die Hausinstallation ist Sache des Eigentümers
  • Der Sozialtarif bono social, den vergeben die Referenzanbieter
Tarifvergleich

Derselbe Verbrauch, eine andere Rechnung

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Wer verteilt wo? Die Karte in Tabellenform

Fünf Unternehmen decken rund 99 % aller spanischen Anschlüsse ab. Daneben existieren über 300 bei der Regulierungsbehörde CNMC registrierte Verteilnetzbetreiber – kleine Stadtwerke und Genossenschaften, vor allem in Katalonien, Aragón, Andalusien und Galicien. Die großen Netzkonzerne verkaufen daneben auch Strom an Haushalte, über rechtlich getrennte Vertriebsgesellschaften: Wie diese Doppelrolle aussieht, steht in den Profilen zu Endesa, Iberdrola und Naturgy.

Die großen spanischen Verteilnetzbetreiber und ihre Gebiete
NetzbetreiberKonzernRegionen (Auswahl)Störungsnummer
e-distribuciónEndesa (Enel)Katalonien, Andalusien, Aragón, Balearen, Kanaren, Navarra, La Rioja, Teile von Extremadura, Kastilien und Valencia900 878 212
i-DEIberdrolaMadrid, Kastilien-León, Kastilien-La Mancha, Valencia, Murcia, Baskenland, Navarra, La Rioja, Huesca – über 11 Millionen Anschlüsse in 10 Regionen900 171 171
UFDNaturgyGalicien, Madrid, Teile von Kastilien, Andalusien, Extremadura und Asturien900 333 999
E-RedesEDPAsturien als Schwerpunkt, dazu Gebiete in Kantabrien, León, Aranjuez, Huesca, Barcelona, Alicante und Zaragoza900 907 001
Viesgo DistribuciónEDPKantabrien, Asturien, Galicien und der Norden von Kastilien-León, rund 695.000 Anschlüsse900 101 051
Rund 46 kleine Netzbetreiber und Genossenschaftenunabhängigörtlich begrenzt, u. a. Sóller und Fornalutx auf Mallorca, Cádiz, Girona, Huesca, Lleida, Cuencaje Unternehmen verschieden

Die Nummern der fünf großen Betreiber stammen aus deren offiziellen Websites, Stand 15. September 2026. Die Nummern der kleinen Netzbetreiber stehen im Verzeichnis der CNMC, dessen eingesehene Fassung von 2020 datiert: nach Angaben des CNMC-Verzeichnisses, bitte vor dem Anruf prüfen. Alle Nummern im Überblick: Notfallnummern in Spanien.

Zwei Inselsysteme, die anders funktionieren

Balearen und Kanaren sind regulatorisch sistemas no peninsulares, also Stromsysteme außerhalb der Halbinsel. Das erklärt manches, was auf der Rechnung und bei Störungen anders aussieht.

Balearen
Über das Seekabel Rómulo zwischen Sagunt und Mallorca mit dem Festlandsnetz verbunden, von Mallorca aus weiter nach Menorca sowie nach Ibiza und Formentera. Ausfälle können damit auch Ursachen haben, die es auf der Halbinsel nicht gibt.
Kanaren
Sechs voneinander unabhängige Inselsysteme – Gran Canaria, Teneriffa, Lanzarote mit Fuerteventura, La Palma, La Gomera und El Hierro – ohne Verbindung zur Halbinsel. Versorgungssicherheit und Preise werden eigens reguliert.
Teneriffa
Im Bereich von Puerto de la Cruz führt das CNMC-Verzeichnis zusätzlich eine eigenständige Verteilgesellschaft, der dort dieselbe Störungsnummer zugeordnet ist wie den Kanaren insgesamt. Nach Angaben des CNMC-Verzeichnisses, bitte vor dem Anruf prüfen.
Ceuta und Melilla
Eigene Netzgesellschaften. In Melilla ist die Störungsnummer eine Mobilfunknummer und damit kostenpflichtig; für Ceuta nennen drei Quellen drei unterschiedliche Nummern. Beides ist auf der Notfallnummern-Seite im Detail aufgeschlüsselt.

Der Zähler gehört dem Netzbetreiber – und das hat Folgen

In Spanien ist der Zähler in aller Regel Eigentum des Netzbetreibers und wird Ihnen vermietet; die Miete steht als eigene Position auf der Rechnung. Daraus folgt eine Arbeitsteilung, die sich in fast jedem Streitfall bemerkbar macht: Alles vor dem Zähler gehört dem Netzbetreiber, alles dahinter Ihnen.

  • Austausch und Eichung übernimmt der Netzbetreiber. Erfolgt der Tausch aus technischen Gründen, ist er für Sie kostenlos.
  • Zweifel am Messwert? Sie können die Überprüfung des Zählers verlangen. Bestätigt sich der Fehler, trägt der Netzbetreiber die Kosten und korrigiert die Abrechnung.
  • Stündliche Verbrauchsdaten stammen ebenfalls vom Netzbetreiber, nicht vom Anbieter. Über dessen Kundenbereich sehen Sie sie in aller Regel früher und vollständiger als auf der Rechnung.
  • Die verfügbare Anschlussleistung begrenzt, wie viel Sie überhaupt vereinbaren können. Eine Erhöhung darüber hinaus ist ein Netzvorgang mit eigenen Kosten – die Änderung der vereinbarten Leistung selbst läuft dagegen über den Anbieter.
  • Die Hausinstallation hinter dem Zähler ist Sache des Eigentümers. Defekte Schutzschalter, feuchte Außensteckdosen und alte Leitungen repariert ein zugelassener Elektriker, nicht der Netzbetreiber.

Wie Sie als Ausländer mit dem Netzbetreiber umgehen

Netzbetreiber sind regulierte Monopolisten. Sie haben keinen Vertrieb, keinen Grund, Sie zu umwerben, und ihr Kundendienst ist entsprechend nüchtern. Das ist kein Nachteil, solange Sie wissen, wie das Gespräch läuft.

  1. Immer mit der CUPS beginnen. Der Netzbetreiber kennt Sie nicht über Ihren Namen, sondern über den Anschluss. Nennen Sie die CUPS früh, dann wird das Gespräch kurz.
  2. Alles schriftlich nachfassen. Nach jedem Telefonat eine kurze E-Mail mit Datum, Uhrzeit, Gesprächsinhalt und Vorgangsnummer an sich selbst – das ist im Streitfall Ihre Beweisführung.
  3. Vorgangsnummer verlangen. Ohne número de incidencia existiert der Vorgang für die spätere Reklamation praktisch nicht.
  4. Nicht über Preise diskutieren. Der Netzbetreiber hat auf Ihren Tarif keinerlei Einfluss. Preis- und Vertragsfragen gehören zum Anbieter.
  5. Zugangsdaten zum Kundenbereich anlegen. Dort sehen Sie Ihre stündlichen Verbrauchsdaten und können Benachrichtigungen zu geplanten Abschaltungen aktivieren – nützlich für die Analyse Ihres Verbrauchs.
  6. Lebenserhaltende Geräte vorab melden. Wer auf medizinische Geräte angewiesen ist, meldet das vorsorglich beim Netzbetreiber, nicht erst im Konfliktfall.
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Häufige Fragen zum Netzbetreiber

Kann ich meinen Netzbetreiber in Spanien wechseln?
Nein. Der Netzbetreiber ergibt sich aus der Adresse des Anschlusses und ist über die CUPS-Nummer festgelegt. Frei wählbar ist nur der Stromanbieter, der Ihnen die Energie verkauft und die Rechnung schickt.
Woher weiß ich, wer mein Netzbetreiber ist?
Von Ihrer Stromrechnung. Suchen Sie das Feld distribuidora; oft steht die Störungsnummer direkt daneben. Alternativ verraten die vier Ziffern nach dem ES in der CUPS-Nummer das Unternehmen.
Wer ist auf Mallorca und den Kanaren zuständig?
In beiden Fällen e-distribución aus der Endesa-Gruppe, auf den Balearen als Nachfolgerin von GESA, auf den Kanaren als Nachfolgerin von UNELCO. Ausnahme sind Sóller und Fornalutx auf Mallorca mit der Genossenschaft Vall de Sóller Energia.
Wer tauscht meinen Zähler aus und was kostet das?
Der Zähler gehört dem Netzbetreiber, der ihn auch austauscht. Bei den meisten Anschlüssen ist er gemietet, und die Miete steht als eigene Position auf der Rechnung. Ein Austausch aus technischen Gründen ist für Sie kostenlos.
An wen richte ich eine Beschwerde über den Netzbetreiber?
Zuerst an dessen eigenen Kundendienst, der nach dem Real Decreto 88/2026 binnen 15 Werktagen antworten muss. Danach an die Energiebehörde Ihrer Region – technische Fragen und Versorgungsqualität gehören dorthin, nicht zur Verbraucherbehörde.
Darf der Netzbetreiber mir Strom verkaufen?
Nein, genau das darf er nicht. Netz und Vertrieb sind rechtlich getrennt. Wer sich als Netzbetreiber ausgibt und über Preise oder Tarife spricht, ist keiner.

Quellen

Alle Angaben auf dieser Seite stammen aus offiziellen spanischen Quellen (BOE, CNMC, MITECO, Netzbetreiber). Stand: 2026-09-15.

  1. CNMC – Listado de distribuidoras de electricidad
  2. CNMC – Listado de distribuidores de energía eléctrica: teléfonos para incidencias (PDF)
  3. e-distribución – Contacto y zonas de servicio
  4. i-DE – Kontakt und Netzgebiet
  5. MITECO – Calidad de servicio