Drei Gassysteme — und nur eines davon ist ein Netz
In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist „Gas“ praktisch immer Erdgas aus der Leitung. In Spanien ist das die Ausnahme. Wer hier ein Haus kauft, trifft auf drei Versorgungsformen mit verschiedenen Verträgen, Preisbildungen und Ansprechpartnern. Die erste Frage lautet deshalb nicht „Welcher Gasanbieter ist günstig?“, sondern „Welches Gas kommt hier überhaupt an?“.
- Erdgas aus der Leitung (gas natural canalizado)
- Verteilnetz, Zähler im Haus, Wahl zwischen reguliertem Tarif und freiem Markt. Es gibt ihn in den Innenstädten mittlerer und großer Städte sowie in Teilen von Mallorca und Ibiza. In Streusiedlungen, auf Fincas und in vielen Küsten-Urbanisationen existiert kein Netz.
- Propan aus Leitung oder Tank (propano canalizado / propano a granel)
- Ein Quartierstank oder ein Tank auf dem Grundstück versorgt eine kleine Leitung. Sieht aus wie Erdgas, ist aber Flüssiggas. Leitungsgebundenes Propan ist preisreguliert, Tankpropan nicht. Standard in Urbanisationen ohne Erdgasnetz.
- Flaschengas (bombona de butano)
- Die orange Stahlflasche mit 12,5 kg Butan für Herd, Durchlauferhitzer oder mobilen Ofen. Der Preis ist gedeckelt und wird alle zwei Monate im BOE neu festgesetzt. Kein Zähler, keine Grundgebühr.
Welches System bei Ihnen liegt, steht auf der letzten Rechnung des Vorbesitzers. Dort finden Sie auch die CUPS-Nummer, die es für Gas genauso gibt wie für Strom, und den Netzbetreiber — Nedgia aus der Gruppe Naturgy, Redexis, Nortegas oder Madrileña Red de Gas. Steht dort Repsol, Cepsa oder DISA, handelt es sich um Flüssiggas.
Zahlen Sie zu viel für Leistung, die Sie nie brauchen?
Die vertraglich vereinbarte Leistung (potencia contratada) läuft in Spanien 365 Tage im Jahr weiter — auch wenn das Haus leer steht. Unsere KI liest Ihre Rechnung und sagt Ihnen in wenigen Minuten, welche kW-Stufe wirklich zu Ihrem Haushalt passt.
Wo es in Spanien wirklich Erdgas gibt
Außerhalb der Ballungsräume auf dem Festland überwiegend nicht. In den Zielregionen deutschsprachiger Eigentümer ist Erdgas der Sonderfall.
Balearen: Mallorca und Ibiza ja, Menorca faktisch nein
Mallorca und Ibiza hängen über die Unterwasser-Gasleitung Dénia–Ibiza–Mallorca am spanischen Festlandsnetz; der wichtigste Übergabepunkt auf Mallorca liegt in Alcúdia. Ein Verteilnetz existiert vor allem in Palma, Inca, Manacor und Alcúdia sowie in umliegenden Gemeinden. Verteilt wird von Redexis (Nachfolgerin der historischen GESA Gas) und von Nedgia Balears. Auf Ibiza verläuft dieselbe Leitung, das Verteilnetz ist ebenfalls nur teilweise ausgebaut.
Auf Menorca ist die Lage eindeutig: Nach Angaben der Inselpresse zählte das Netz rund 1.700 Anschlüsse, davon etwa 1.400 private, konzentriert auf Maó und Es Castell. Von den rund 50 km Leitung ist etwa die Hälfte nicht in Betrieb; die Rohre in Ciutadella und Es Mercadal wurden nie aktiviert. Der Betreiber hat das Projekt 2022 auf Gewerbegebiete und das Krankenhaus umgestellt und einen flächendeckenden Wohnnetz-Ausbau verworfen. Diese Zahlen stammen aus dem Jahr 2022 und sollten vor einem Kauf nachgeprüft werden — an der Grundaussage ändert das nichts: Wer auf Menorca kauft, plant mit Flaschengas, Propan oder Strom.
Kanaren: kein Erdgasnetz, und das bleibt auch so
Auf den Kanarischen Inseln gibt es kein Erdgasverteilnetz für Haushalte. Die dafür geplanten Regasifizierungsanlagen in Arinaga (Gran Canaria) und Granadilla (Teneriffa) sind nie in Betrieb gegangen; die eigens gegründete Betreibergesellschaft Gascan wurde in Enagás Transporte eingegliedert und beliefert keine Privatkunden. Die Regionalregierung hat Erdgas als Übergangsenergie verworfen und setzt auf erneuerbare Energien und Wasserstoff.
Festland: Stadtkern ja, Urbanisation nein
Als Faustregel gilt: In gewachsenen Stadtkernen liegt Erdgas, in verstreuten Urbanisationen, bei Chalets und auf Fincas in aller Regel nicht. Dort ersetzt Propan aus dem Tank, Butan in der Flasche oder eine reine Stromlösung das Erdgas. Ob an Ihrer Adresse ein Anschluss möglich ist, beantwortet nur der Netzbetreiber — straßengenau, nicht gemeindegenau.
| Region | Erdgasnetz für Haushalte | Was stattdessen üblich ist |
|---|---|---|
| Mallorca | Teilweise: Palma, Inca, Manacor, Alcúdia und Umfeld | Propan (Tank/Leitung), Butanflasche, Wärmepumpe |
| Ibiza | Teilweise, entlang der Transportleitung | Propan, Butanflasche, Wärmepumpe |
| Menorca | Praktisch nein (rund 1.700 Anschlüsse in Maó/Es Castell, Stand 2022) | Butan, Propan, Strom |
| Kanarische Inseln | Nein — kein Verteilnetz vorhanden | Butanflasche (DISA), Propan, Elektro-Boiler, Klimaanlage |
| Festland, Stadtkerne | Überwiegend ja | Erdgas mit Brennwertkessel |
| Festland, Urbanisationen und Fincas | Meist nein | Propan aus Tank, Heizöl, Butan, Wärmepumpe |
Stand: 15. September 2026. Menorca-Angaben nach Presseberichten von 2022. Verbindlich ist die Auskunft des Netzbetreibers zur konkreten Adresse.
Regulierter Tarif (TUR) oder freier Markt
Wer einen Erdgasanschluss hat, hat zwei Türen: den staatlich regulierten Tarif Tarifa de Último Recurso (TUR) oder einen der rund 80 Anbieter im freien Markt. Einen „Grundversorger“ im deutschen Sinn gibt es nicht — die TUR ist kein Auffangtarif, sondern ein Angebot, das Sie aktiv wählen und ebenso aktiv wieder verlassen.
| Regulierter Tarif (TUR) | Freier Markt | |
|---|---|---|
| Wer setzt den Preis fest | Die Regierung, veröffentlicht im BOE | Jeder Anbieter selbst |
| Wer verkauft | Nur die vier Versorger letzter Instanz (CUR) | Rund 80 Anbieter |
| Preisänderung | Quartalsweise: 1. Januar, 1. April, 1. Juli, 1. Oktober | Laut Vertrag — fix, indexiert oder mit Bonusjahr |
| Rabatte und Pakete | Keine. Weder Dual-Bündel noch Wartungsverträge | Ja — und genau dort steht das Kleingedruckte |
| Mindestlaufzeit | Nein | Häufig |
| Zugang | Nur bis 50.000 kWh/Jahr und bis 4 bar Netzdruck | Für alle |
Die TUR ist der neutrale Vergleichsmaßstab: Ein Angebot aus dem freien Markt ist nur gut, wenn es den TUR-Preis unterbietet. Alle TUR-Stufen im Detail.
Der Wechsel des Gasanbieters ist kostenlos, dauert höchstens drei Wochen und wird von der neuen Firma abgewickelt — inklusive Kündigung beim alten Anbieter. Zähler, Netzbetreiber und CUPS-Nummer bleiben gleich. Der häufigste Fehler: selbst kündigen. Dann endet die Versorgung, und die Wiederanmeldung kostet erneut Gebühren.
Anmeldung, Wiederinbetriebnahme und die Fünfjahresfalle
Für die Anmeldung brauchen Sie die CUPS-Nummer, NIE oder Pass, eine spanische IBAN, den Kauf- oder Mietvertrag sowie das Installationszertifikat (certificado de instalación, individuell „IRI“, für Gemeinschaftsanlagen „IRC“). Vor dem Setzen des Zählers findet eine technische Abnahme statt.
| Ausgangslage | Ungefähre Kosten (ohne MwSt.) | Dauer |
|---|---|---|
| Wiederinbetriebnahme, Anschluss war in den letzten 5 Jahren aktiv | nur Anmeldegebühren, rund 60–110 € | 5–7 Werktage |
| Neuanmeldung oder länger als 5 Jahre stillgelegt | Anmeldung plus Hausanschluss, rund 147–311 € | — |
| Neuinstallation, Leitung liegt in der Straße | wie oben | rund 30 Werktage |
| Keine Infrastruktur im Gebiet | wie oben, zuzüglich Tiefbau | rund 60 Werktage |
Die Anmeldegebühren unterscheiden sich je nach autonomer Region — Andalusien rund 59,50 €, Katalonien 63,51 €, Madrid 75,40 €, Aragón bis 109,95 €. Stand: 15. September 2026.
Die Gasrechnung: warum der Zähler m³ misst und die Rechnung kWh zeigt
Der Gaszähler misst Volumen in Kubikmetern, abgerechnet wird aber Energie in Kilowattstunden. Die Umrechnung steht auf jeder spanischen Gasrechnung und funktioniert genau wie in Deutschland:
- kWh = m³ × Umrechnungsfaktor (factor de conversión).
- Der Faktor ist das Produkt aus dem Brennwert PCS (poder calorífico superior, deutsch: Brennwert Ho) und einem Korrekturkoeffizienten für Druck und Höhenlage der Gemeinde (coeficiente de corrección, deutsch: Zustandszahl z).
- Typischer Wert: 1 m³ ≈ 11,70 kWh. Der Faktor ist nicht fest, sondern hängt von der Zusammensetzung des gelieferten Gases ab und wird vom Netzbetreiber je Zone angewendet.
- Deshalb ergibt derselbe Kubikmeter in Madrid mehr Kilowattstunden als auf Meereshöhe.
Gelesen wird der Zähler vom Netzbetreiber, nicht vom Anbieter. Haushalte unter 100.000 kWh im Jahr werden monatlich oder zweimonatlich abgerechnet (Real Decreto 1434/2002), in der Praxis meist alle zwei Monate — häufig im Wechsel aus echter und geschätzter Ablesung. Bei festen Monatsabschlägen besteht Anspruch auf eine Jahresabrechnung nach echten Zählerständen bis zum 31. Januar.
Pflichtprüfung: alle fünf Jahre, und nie in bar
Jede leitungsgebundene Gasinstallation muss alle fünf Jahre geprüft werden. Die Prüfung wird vom Netzbetreiber veranlasst, rund drei Monate vorher angekündigt und über die Gasrechnung abgerechnet — niemals bar an der Haustür. Davon zu unterscheiden ist die Wartung der Therme: alle zwei Jahre, Sache des Eigentümers. Auch fest verrohrte Flaschen- und Propananlagen fallen unter die Fünfjahresfrist, dort zahlt der Verbraucher direkt.
Genau an dieser Pflicht hängt eine der verbreitetsten Haustürbetrugsmaschen Spaniens, und ausländische Eigentümer sind das bevorzugte Ziel. Die Faustregel ist simpel: Wer nicht vorher schriftlich angekündigt wurde, ist nicht echt. Die sechs Warnzeichen des falschen Gasprüfers haben wir auf einer eigenen Seite zusammengestellt.
Lohnt sich Gas überhaupt — oder gleich die Wärmepumpe?
Für Zweitwohnsitze ist das die eigentliche Frage. Ein Erdgasvertrag kostet in der Stufe TUR.2 rund 127 € pro Jahr an reinen Fixkosten (Grundpreis plus Zählermiete), bevor eine einzige Kilowattstunde verbraucht wurde. Wer sein Haus drei Monate im Jahr nutzt, zahlt das fast vollständig für nichts. Gleichzeitig dauert die Heizsaison an der Südküste sechs bis zehn Wochen, nicht sechs Monate — und eine Klimaanlage, die im Sommer kühlt, heizt im Winter nebenbei. Die Kosten je nutzbarer Kilowattstunde stehen im Heizkostenvergleich; warum die Wärmepumpe im Süden meist gewinnt, erklären wir dort.
Umgekehrt bleibt der Brennwertkessel auf der Meseta und im Norden konkurrenzfähig. Auch auf Mallorca kann Erdgas sinnvoll sein, wenn das Haus dauerhaft bewohnt ist und in einem gasversorgten Ortskern liegt.
Die Butanflasche
Preis, Pfand, Lieferung nach Hause, sicherer Flaschenwechsel und die Haltbarkeit von Schlauch und Druckminderer.
mehr erfahrenRegulierter TarifTUR-Tarife für Erdgas
Elf Stufen seit Juli 2026, die vier Versorger letzter Instanz und eine Beispielrechnung von der Basis bis zur MwSt.
mehr erfahrenPflicht und BetrugGasprüfung alle fünf Jahre
Wie die echte Prüfung abläuft, was sie kostet und woran Sie einen falschen Prüfer erkennen.
mehr erfahrenHeizenWas Wärme wirklich kostet
Kosten je nutzbarer Kilowattstunde für Wärmepumpe, Gas, Propan, Butan und Elektroheizung.
mehr erfahrenDerselbe Verbrauch, eine andere Rechnung
Laden Sie eine beliebige spanische Stromrechnung hoch. Der Vergleichsrechner von Lead EnergIA rechnet Ihren echten Verbrauch gegen die aktuellen Tarife und zeigt, was ein anderer Vertrag gekostet hätte — auf Deutsch, ohne Anruf, ohne Verpflichtung. Auch dann, wenn das Ergebnis lautet: bleiben.
Gibt es auf den Kanaren Erdgas?
Hat Mallorca ein Erdgasnetz?
Was kostet eine Gasflasche in Spanien?
Was ist der Unterschied zwischen TUR und freiem Markt beim Gas?
Kostet der Wechsel des Gasanbieters etwas?
Wie rechne ich Kubikmeter Gas in Kilowattstunden um?
Quellen
Alle Angaben auf dieser Seite stammen aus offiziellen spanischen Quellen (BOE, CNMC, MITECO, Netzbetreiber). Stand: 2026-09-15.
- BOE-A-2026-14233 — Resolución vom 25. Juni 2026 (DGPEM): Tarifa de último recurso de gas natural, gültig ab 1. Juli 2026
- BOE-A-2026-19115 — Resolución vom 8. September 2026 (DGPEM): Höchstpreise für abgefülltes Butan
- BOE-A-2026-19114 — Resolución vom 8. September 2026 (DGPEM): Preise für leitungsgebundenes Flüssiggas
- CNMC — Consumidores de gas: Leitfaden zu TUR, Versorgerwechsel und Rechten
- Nedgia — Revisión del gas natural (Pflichtprüfung, Ablauf, Kosten)
- Menorca.info — Redexis richtet das Gasprojekt auf Menorca neu aus (10. November 2022)
- Consumo Responde (Junta de Andalucía) — Abrechnung und Zahlung der Erdgasversorgung (RD 1434/2002)