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PVPC oder freier Markt: Welcher Stromtarif passt zu Ihnen?

Der PVPC ist Spaniens regulierter Stromtarif: Der Staat gibt die Berechnungsformel vor, es gibt keine Vertriebsmarge, keine Mindestlaufzeit und keine Zusatzpakete — dafür ändert sich der Preis laufend. Seit 2026 ist die Reform der Berechnung vollständig umgesetzt. Diese Seite erklärt die Methodik und sagt, für welches Nutzungsprofil welche Variante sinnvoll ist.

· Wie wir recherchieren

Was der PVPC ist — und was er nicht ist

PVPC steht für Precio Voluntario para el Pequeño Consumidor, also „freiwilliger Preis für den Kleinverbraucher“. Der verbreitetste Irrtum: Es handelt sich nicht um einen per Dekret verbilligten Sozialtarif, sondern um einen an den Großhandelsmarkt gekoppelten Preis, dessen Formel der Staat festlegt. Es gibt keine frei kalkulierte Vertriebsmarge — aber auch keine Garantie, dass er in einem bestimmten Monat günstiger ist.

Rechtsgrundlage ist das Real Decreto 216/2014, grundlegend geändert durch das Real Decreto 446/2023. Einen Grundversorger im deutschen Sinn, der mit Preisgarantie einspringt, gibt es in Spanien nicht: Der PVPC ist ein Tarif, den Sie aktiv abschließen.

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Die Methodik 2026: Terminmärkte statt reiner Spotpreis

Bis 2023 hing der PVPC zu 100 Prozent am Tages- und Innertagesmarkt, dem sogenannten Pool. In der Energiekrise 2021 und 2022 führte das zu Rechnungen, die sich von Monat zu Monat vervielfachten. Die Reform von 2023 mischt deshalb einen Korb aus Terminprodukten hinzu, der die Schwankungen dämpft.

Zusammensetzung des PVPC nach der Reform des RD 446/2023
BestandteilGewichtBedeutung
Jahresprodukt im Terminkorb54 %glättet über das gesamte Jahr
Quartalsprodukt im Terminkorb36 %fängt saisonale Entwicklungen auf
Monatsprodukt im Terminkorb10 %kurzfristige Anpassung
Anteil des Terminkorbs am Gesamtpreis 202425 %Beginn der Umstellung
Anteil des Terminkorbs am Gesamtpreis 202540 %zweite Stufe
Anteil des Terminkorbs am Gesamtpreis 202655 %Endstufe, Dauerregime
Anteil Tages- und Innertagesmarkt 202645 %der weiterhin schwankende Teil

2026 ist das Jahr, in dem die Reform ihr Endstadium erreicht. Der PVPC ist damit strukturell ruhiger als 2023, schwankt aber weiterhin in jedem Zeitintervall.

Dazu kommt eine zweite Änderung: Seit dem 1. Oktober 2025 arbeiten der europäische Tages- und Innertagesmarkt nicht mehr mit 24 Stundenwerten, sondern mit 96 Viertelstundenintervallen. Der PVPC wird entsprechend feiner berechnet. Für Haushalte ändert sich praktisch wenig, weil Kleinverbraucher nach Branchenangaben weiterhin stündlich gemessen werden; verlässliche Angaben zur genauen Umrechnung auf Haushaltszähler liegen uns nicht vor. Die Zeitzonen P1, P2 und P3 der Netzentgelte bleiben davon unberührt — wann Strom in Spanien teuer und wann günstig ist.

Wer den PVPC bekommt und bei wem

Der Zugang ist begrenzt. Nach den Zugangsbedingungen des regulierten Tarifs gilt eine Obergrenze von 10 kW vereinbarter Leistung, und der Anschluss muss im Haushaltstarif 2.0TD liegen, der bis 15 kW reicht. Wer mehr als 10 kW vereinbart hat, ist also im 2.0TD, aber außerhalb des PVPC. Anbieten dürfen den Tarif ausschließlich die acht amtlich benannten Referenzgesellschaften: Curenergía, Energía XXI, Comercializadora Regulada Gas & Power, Baser, Comercializador de Referencia Energético, Régsiti sowie die Gesellschaften für Ceuta und Melilla. Wo Sie wohnen, kann dabei den Ausschlag geben: Régsiti aus der Gruppe Repsol bietet den PVPC nur auf dem Festland an, während der Comercializador de Referencia Energético von TotalEnergies landesweit und damit auch auf den Inseln liefert.

Keine Mindestlaufzeit
Sie können den PVPC jederzeit verlassen und jederzeit zurückkehren. Der Wechsel zwischen PVPC und freiem Markt ist ohne zusätzliche Kosten möglich, solange sich Leistung und Netzentgelt nicht ändern.
Keine Zusatzpakete
Wartungs-, Versicherungs- oder Serviceprodukte sind im regulierten Tarif nicht Teil des Angebots. Das schließt die häufigste Kostenfalle des freien Markts systematisch aus.
Einziger Zugang zum Sozialrabatt
Der bono social ist nur aus dem PVPC heraus erhältlich und setzt eine Hauptwohnung voraus — für einen Zweitwohnsitz kommt er daher nicht in Betracht. Voraussetzungen im Detail.
Volle Preistransparenz
Der Preis wird veröffentlicht und ist für jeden nachrechenbar. Im freien Markt bleibt die Marge eine Verhandlungssache, die Sie nur über den Vergleich der Jahreskosten sichtbar machen.

Gegenüberstellung

Für den PVPC spricht

  • Keine frei kalkulierte Vertriebsmarge und keine versteckten Aufschläge.
  • Keine Mindestlaufzeit, keine Vertragsstrafe, kein Rabatt mit Verfallsdatum.
  • Keine untergeschobenen Zusatzdienste — im freien Markt betrifft das nach einer Branchenauswertung rund 20 Prozent der Verträge.
  • Preisbildung öffentlich nachvollziehbar und seit 2026 durch den Terminkorb spürbar ruhiger.
  • Im Jahr 2024 stiegen die Haushaltspreise im freien Markt um rund 6 Prozent, im PVPC nur um rund 1 Prozent.

Für den freien Markt spricht

  • Ein Festpreis macht die Jahresausgaben planbar — gegen einen Aufschlag, der die Versicherung bezahlt.
  • Kein Preisrisiko in Monaten mit hohen Großhandelspreisen, etwa im August 2026 mit einem PVPC-Mittel von 0,1675 €/kWh.
  • Größere Anbieterauswahl, darunter kleinere Anbieter mit schlanken Tarifen und Anbieter mit deutschsprachigem Service.
  • Für Anschlüsse über 10 kW ist der PVPC ohnehin nicht zugänglich.
  • Verhandelbare Konditionen: Wer die Jahreskosten sauber rechnet, kann unter dem PVPC-Mittel landen.

Für wen sich was eignet

Die ehrliche Antwort hängt weniger vom Preis als vom Nutzungsprofil ab.

  • Dauerhaft bewohntes Haus mit flexiblem Alltag: PVPC ist meist eine gute Wahl. Wer Waschmaschine, Geschirrspüler und Poolpumpe in die günstigen Zeitfenster legt, nutzt die Schwankung zum eigenen Vorteil.
  • Haushalt mit knappem, festem Budget: Ein Festpreis im freien Markt kauft Planbarkeit. Der Aufschlag dafür ist der Preis der Versicherung, nicht ein Betrugsversuch.
  • Anschluss über 10 kW: Der PVPC entfällt. Dann bleibt nur der freie Markt, und der Vergleich der Jahreskosten entscheidet.
  • Zweitwohnsitz mit geringem, unregelmäßigem Verbrauch: Der PVPC ist hier überraschend gut geeignet — keine Laufzeit, keine Pakete, keine Rabattfalle, und das absolute Risiko bleibt klein, weil wenig verbraucht wird. Er löst allerdings Ihr eigentliches Problem nicht, denn der Leistungspreis ist im PVPC ebenfalls fällig. Was fürs Ferienhaus wirklich zählt.
  • Wer keinen spanischsprachigen Kundendienst bewältigen will: Die acht Referenzgesellschaften betreuen auf Spanisch. Wer deutschsprachige Unterstützung braucht, findet sie nur im freien Markt — was dieser Service wirklich umfasst.

Ein letzter Punkt, der oft untergeht: Der Wechsel in den PVPC oder heraus ist kein großer Schritt. Es gelten dieselben zehn Werktage wie bei jedem anderen Anbieterwechsel, und solange Leistung und Netzentgelt gleich bleiben, fallen keine zusätzlichen Kosten an. So läuft der Wechsel ab.

Ist der PVPC in Spanien günstiger als der freie Markt?
Im mehrjährigen Mittel war er das häufig, garantiert ist es nicht. 2024 stiegen die Haushaltspreise im freien Markt um rund 6 Prozent, im PVPC nur um rund 1 Prozent. Der PVPC hat aber keine frei kalkulierte Marge und keine Zusatzpakete, und das erklärt einen großen Teil des Unterschieds.
Wer kann den PVPC in Spanien beantragen?
Haushalte mit höchstens 10 kW vereinbarter Leistung im Tarif 2.0TD. Der Vertrag muss mit einer der acht Referenzgesellschaften geschlossen werden; ein normaler Anbieter im freien Markt darf den PVPC nicht anbieten.
Wie stark schwankt der PVPC-Preis?
Er ändert sich in jedem Marktintervall. Seit 2026 stammen 55 Prozent des Energieanteils aus einem Korb von Terminprodukten und nur noch 45 Prozent aus dem Tages- und Innertagesmarkt, was die Ausschläge gegenüber 2023 deutlich dämpft.
Kann ich jederzeit vom PVPC in den freien Markt wechseln?
Ja, in beide Richtungen und ohne zusätzliche Kosten, solange sich die technischen Bedingungen wie Leistung und Netzentgelt nicht ändern. Im PVPC gibt es grundsätzlich keine Mindestlaufzeit.
Lohnt sich der PVPC für ein Ferienhaus?
Oft ja, weil es keine Laufzeit, keine Zusatzpakete und keine auslaufenden Rabatte gibt und der Verbrauch gering ist. Er ändert aber nichts am Leistungspreis, der bei einem selten genutzten Haus den größten Kostenblock bildet.
Bekomme ich als Nichtresident den Sozialrabatt bono social?
Nein. Der bono social setzt eine Hauptwohnung und bestimmte Einkommensvoraussetzungen voraus und ist nur aus dem PVPC heraus erhältlich. Ein Zweitwohnsitz erfüllt die Bedingung der Hauptwohnung nicht.
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Quellen

Alle Angaben auf dieser Seite stammen aus offiziellen spanischen Quellen (BOE, CNMC, MITECO, Netzbetreiber). Stand: 2026-09-15.

  1. BOE – Real Decreto 446/2023: neue Berechnungsmethodik des PVPC
  2. MITECO – Regierungsmitteilung zur neuen PVPC-Methodik (Gewichte 54/36/10)
  3. BOE – CNMC-Beschluss vom 28.02.2025 zum viertelstündlichen Marktbetrieb
  4. CNMC – Verzeichnis der Referenzvertriebe (comercializadoras de referencia)
  5. CNMC – Bericht zur Überwachung des Endkundenmarkts 2024
  6. OCU – Entwicklung des Strompreises und der Durchschnittsrechnung